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Montag, 14. Februar 2022

Theologische Analphabeten

 Liturgiekurs. Thema: Segnen, Segensfeier. 

Der Kursleiter packt irgendwann - auf die Frage: "Was kann man denn eigentlich noch segnen?" das Benediktionale aus: Autos, Kinder, Wein, Häuser, Geschäfte ... Daraufhin will ein Kurskollege wissen, was man denn nicht segnen dürfe. Spontane Antwort: "Homosexuelle Paare". Erwiderung: "Das war bis vor Kurzem so. Jetzt machen wir das auch!" Super, keiner weiß es.

Die Diskussion geht weiter: "Es geht ja schließlich um den Menschen!" Und mit dierser Begründung dürfen gesegnet werden:

  • Haustiere
  • Kinder
  • Mafiabosse
  • Abtreibungspraxen
  • unbußfertige Sünder

Ganz demokratisch wird auch kommuniziert, was auf keinen Fall gesegnet werden darf:

  • Waffen
  • Jagdwaffen
  • Sünden (aber keiner weiß zu sagen, was das ist)
  • Waffen zur Selbstverteidigung (z. B. Dienstpistole eines Polizisten)
  • Vergewaltiger
  • Waffen, die beim Personenschutz oder zur Rettung aus Gefahr Verwendung finden.

Eine wirre Reihenfolge, eine genauso wirre Diskussion. Drei der Diskussionsteilnehmer sind Theologie-Studenten, zwei davon sagen gar nichts. Ach ja, und dann gibt es noch die Zweifelsfälle: 

  • Tyrannenmörder
  • Hitler-Attentäter

Ganz zum Schluss mahnt der Kursleiter, dass doch bitte zu berücksichtigen sei, dass das Ganze im Rahmen und auf der Basis der katholischen Kirche - und damit auch gemäß deren Lehre - stattfinden müsse.

Irgendwie kommt da bei mir dann doch  die Frage auf: Wer von meinen Kurskollegen kennt noch die katholische Lehre? Was war das für eine katholische Erziehung, was für ein Religionsunterricht? Dann wird Jesus zitiert: "Nicht der Mensch ist für den Sabbat da, sondern der Sabbat für den Menschen." Und deswegen sei Barmherzigkeit zu üben. Auch der Mafiaboss, der nichts bereut, der nichts zu Beichten hat, der müsse zu den Sakramenten zugelassen werden und solle ein katholisches Begräbnis bekommen. Dass man seinen Opfern damit geradezu ins Gesicht treten würde, sieht keiner (doch. Der in Italien zuständige Priester hat's gesehen).

Neu-Evangelisierung ist nötig, bitter nötig.

Sonntag, 5. September 2021

Hysterie

Corona. Ich bin es leid. Ich mag nicht mehr.

Letztes Jahr: Lockdown. Nichts geht mehr. Lebensmittel einkaufen schon - desinfiziert, mit Maske, mit Abstand undsoweiter. Keine Heiligen Messen, jedenfalls nicht öffentlich. Zum Verzweifeln.

Ich hatte Glück im Unglück: Als Pfarrgemeinderat durfe ich an der einen oder anderen nicht-öffentlichen Messe teilnehmen und durfte auch die Sakramente empfangen. Der Spruch vom "Beichtverbot" geisterte herum. Es ging dann trotzdem irgendwie - auf Abstand, mit Maske, in einem Besprechungsraum, wo "normalerweise" bis zu 15 Leute diskutieren könnten.

Dann kam die große Erleichterung, als die Heilige Messe wieder mit Gemeinde erlaubt war. Mit Abstand. Und im Bistum Würzburg sehr lange ohne Kommunionempfang - länger als anderswo. 

ich hoffe sehr, dass diese Hysterie irgendwann einmal vorbei ist. Ich habe es gewagt, Mundkommunion zu empfangen. Nach der Messe wurde ich dann angegiftet, das sei verboten. Ausgerechnet von der Dame, die ich (als Corona-Platzanweiser) jedes Mal vor dem Gottesdienst darauf hinweisen muss, dass sie ihre Maske anzieht. Macht sie aber nicht, jedenfalls nicht, bevor sie sitzt. "Die Leute kommen nicht mehr in die Kirche, weil Sie Mundkommunion machen." Ich glaub', ich spinne. Was macht diese Seuche nur aus den Menschen - nette alte Damen werden zu Gift und Galle speienden Furien 😞⁠😢⁠.

Aktuell ist die "Zahl der Tyrannis" bei etwas über 20 ...

Freitag, 7. August 2020

Corona regt mich auf - aber sowas von!

 Ich geb's ja zu, ich bin auf "facebook" unterwegs - manchmal etwas mehr, als gut wäre. Und dann kommen liebe Menschen mit saublöden Texten daher, die sie irgendwo kopiert haben.

ICH MACHE MIT!

ich nicht.

Wenn ich eine Maske in der Öffentlichkeit trage möchte ich, dass Du folgendes weißt.

Falsch. Ich trage eine Maske. Und es ist mir schnurz-egal, ob Sie etwas darüber wissen oder denken.

🔵 Ich bin gebildet genug, um zu wissen, dass ich asymptomatisch sein könnte und dir trotzdem das Virus geben kann

Ob ich gebildet bin? Will doch keiner wissen.Viren werden übrigens nicht „gegeben“, sondern „übertragen“.

🔵 Nein, ich ′′ lebe nicht in Angst ′′ vor dem Virus; ich möchte nur Teil der Lösung sein, nicht das Problem.

Doch, ich finde das Virus beängstigend. Deswegen bin ich vorsichtig, damit ICH keine Probleme damit bekomme. Damit ich meine "Risikogruppe"-Angehörigen nicht infiziere.

🔵 Ich habe nicht das Gefühl, dass die Regierung mich kontrolliert; Ich habe das Gefühl, dass ich als Erwachsener etwas zur Gesellschaft beitragen kann.

Meine „Gefühle“ gehen Fremde nichts an. Und Ihnen unterstelle ich auch keine „Gefühle“. Erwachsen? Nein, ich bin manchmal ein fürchterlicher Kindskopf.

🔵 Die Welt dreht sich nicht um mich. Es geht nicht nur um mich.

Welt? Nicht mein Ziel. MIR geht es vorrangig um MICH, meine Gesundheit und die meiner Lieben.

🔵 Wenn wir alle mit Rücksicht auf andere Menschen leben könnten, wäre diese Welt ein viel besserer Ort.

Oberlehrerhaftes, unrealistisches Geschwätz von "Weltverbesserern".

🔵 Das Tragen einer Maske macht mich nicht schwach, ängstlich, dumm oder gar ′′ kontrolliert." Das macht mich rücksichtsvoll.

Quatsch. Das Tragen einer Maske hat auf mein Wesen oder meinen Charakter keinen Einfluss. Null.
Und vor Corona - ohne Maske - waren Sie da wirklich immer rücksichtslos? Pfui! 

Auf den restlichen Kram gehe ich nicht ein. Es zieht mich bloß runter. Ich bin ohnehin nur traurig, dass

  • ich nicht in Urlaub fahren kann wie ursprünglich geplant
  • Kinder nicht wie sonst unbefangen miteinander spielen und lernen können
  • mein Leben ziemlich durcheinander gewürfelt ist
  • der Sakramentenempfang ziemlich umständlich ist - immerhin, es gibt wieder Heilige Messen.

Ich weiß, dass ich auf ziemlich hohem Niveau jammere - anderen geht es viel schlechter. Aber darauf habe ich keinen Einfluss, außer durch Gebet.

Novene zur Hl. Corona, der Schutzpatronin gegen Seuchen.

Laudes: O Dio, vieni a salvarmi. Signore vieni presto in mio aiuto.

Vesper: O Dio, vieni a salvarmi. Signore vieni presto in mio aiuto.

Komplet: O Dio, vieni a salvarmi. Signore vieni presto in mio aiuto.

Das Stundengebet hilft mir schon, indem es meinen Tag strukturiert, mich auf andere Gedanken bringt. Viele der Psalmen sind ein einziger Hilfeschrei - aber aus ihnen spricht auch ein unglaublich großes Gottvertrauen, das auch mich mittragen kann.

Wobei - zum Thema "Beten" und "Gebet" bastle ich gerade an einem anderen Text, mal schauen, ob der es auch bis zur Veröffentlichung schafft.

Dienstag, 12. Mai 2020

Außen

Außen an der Kirche hängt jetzt ein neues Informationsblatt:
Das ist doch deutlich sympathischer.
Und wir dürfen wieder Gottesdienste feiern. Aber nur ohne Eucharistie. Das einzige, was gestattet ist, ist eucharistische Anbetung.
Der Ministerpräsident hat Gottesdienste - auch die Heilige Messe - wieder erlaubt. Aber der Bischof, mein Bischof nicht.
Enttäuschung, Trauer, Zorn. "Christenverfolgung" würde ich es nicht nennen - aber es steht ein seltsames Eucharistie-Verständnis dahinter, wenn seine Exzellenz begründet:
"Aber genau deshalb, weil sie solch ein hohes Gut ist, ist sie auch zu schützen. Denn als Bischof geht es mir um die Bewahrung der Feiergestalt der Eucharistie. Wenn in der  Feier  der  Eucharistie  nur  der  Priester  kommuniziert,  die  anwesenden  Gläubigen aber  vom  Empfang  der  Kommunion  ausgeschlossen  sind,  legt  es  sich  nahe,  keine öffentlichen Eucharistiefeiern anzubieten."
Den Begriff "Feiergestalt" habe ich recherchiert - kannte ich nicht. Scheint auch irgendwie ziemlich selten zu sein. "Opfer", "Gedächtnis" oder "Auferstehung" kam in dem Zusammenhang nicht vor. Nur "Mahl".

Und das habe ich gefunden (Quelle):
"In der Liturgie "vollzieht sich das Werk unserer Erlösung" (Zweites Vatikanisches Konzil, Sacrosanctum Concilium, 2). Wie Christus vom Vater gesandt ist, so hat er selbst die Apostel gesandt, um die Erlösung zu verkünden und um "das von ihnen verkündete Heilswerk zu vollziehen durch Opfer und Sakrament, um die das ganze liturgische Leben kreist“ (ebd., 6)."
Die eigentliche Bedeutung ist doch: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“.

Das Opfer Christi und die daraus folgende Erlösung, die Verheißung der Auferstehung, all das fehlt. In der Christus-Biographie von Joseph Ratzinger (papa emeritus) heißt es, dass der "Mahl"-Charakter der Eucharistie schon in der Urkirche verschwand; erst mit der Reformation wieder aufgetaucht sei.

Und nun hat der Bischof verfügt, wegen des "Mahl"-Charakters nur nicht-öffentliche Eucharistiefeiern zuzulassen ... ich könnt' heulen. Die Regensburger Lösung, auf die Kommunionspendung zu verzichten, aber öffentliche Eucharistiefeiern zuzulassen, gewährt den Gläubigen die Hilfe, die sie gerade in dieser Zeit benötigen.

Ich hab' gut Reden - unsere Priester lassen mich gelegentlich an ihren nicht-öffentlichen Messen teilnehmen. Aber die meisten anderen, die nicht als Pfarrgemeinderatsmitglied ein "Repräsentant" der Gemeinde sind oder schlicht zu bescheiden sind, unsere Priester darum zu bitten - die sind außen vor.

Ich hoffe, dass Bischof Franz von Würzburg bald anders entscheidet.

Dienstag, 16. April 2019

Notre Dame brennt,

aber das Kreuz steht.

Au cœur des décombres et des gravats, la croix est toujours là. Intacte. Douloureuse et lumineuse.

Im Herzen der Trümmer und des Schuttes, ist das Kreuz immer da. Intakt. Schmerzhaft und leuchtend. 

Mittwoch, 14. April 2010

Jedes Jahr eine Großstadt ...

Großstädte sind nach einer Begriffsbestimmung der Internationalen Statistikkonferenz von 1887 alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. (Quelle: Wikipedia)

Im Jahr 2009 wurden dem Statistischen Bundesamt (Destatis) rund 110.700 Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland gemeldet. 40% der Schwangeren hatten vor dem Eingriff noch keine Lebendgeburt. Über 97% der gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen.
(Quelle: Pressemitteilung vom 11.03.2010 | Statistisches Bundesamt)

Sonntag, 22. November 2009

Aufräumen ...

... muss ich meine Liste der verlinkten Blogs. "ultra-montes" verabschiedet sich gerade und will morgen seinen Blog löschen - was ich außerordentlich schade finde. Wieder andere haben seit Jahren nichts mehr in ihrem Blog geschrieben. Diese hatte ich zunächst "der Vollständigkeit halber" mit verlinkt (oder auch aus langjähriger Verbundenheit), aber mittlerweile finde ich die Liste so unübersichtlich, dass ich sie doch ein wenig einkürzen möchte.

Verschwinden werden also:
ultra-montes
omDg
Veni, Domine Iesu!
Retos Tagebuch
Lumen de Lumine
Tagtäglich
Speculum

Bei den anderen habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es wieder einmal etwas zu Lesen gibt ...

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Rausgeschmissen

Rausgeschmissen hat "die Erzdiözese München und Freising" den Gebetszug "1000 Kreuze für das Leben", der für den 24.10 angekündigt ist. Wörtlich aus der Pressemitteilung:
Nach Informationen der Erzdiözese planen rechtsextreme Gruppierungen wie bereits im vergangenen Jahr, die Veranstaltung zu unterwandern und für ihre Zwecke zu missbrauchen. Aus diesem Grund ist den Teilnehmern der Veranstaltung die Nutzung des Kirchenraums der Pfarrei St. Paul und anderer Kirchenräume nicht gestattet. Entgegen anders lautender Ankündigungen des Veranstalters „Euro Pro Life“ wird es deshalb weder eine Heilige Messe noch ein Rosenkranzgebet in St. Paul geben.
Seit wann hat die Kirche nicht mehr das Hausrecht in ihren Gebäuden? Statt dass die Kirche Leute aufbietet, die die Extremisten aus dem Kirchenraum hinausschicken, werden Gläubige, die engagiert für ihren Glauben eintreten wollen, am Gebet gehindert. Keine Heilige Messe, kein Rosenkranz.

Was ist das denn für eine Art "vorauseilender Gehorsam"? Oder muss ich das jetzt unter "political correctness" verbuchen? Wenn tatsächlich einer während der Messe randalieren würde, machte er sich gleich in mehrfacher Weise strafbar: (schwerer) Hausfriedensbruch; Störung der Religionsausübung; möglicherweise sogar Nötigung oder Bedrohung; vielleicht noch einiges mehr; als Nicht-Jurist habe ich da keinen Überblick. Das Bistum hätte das Recht auf seiner Seite - warum kneift es da? Hier ergäbe sich doch eine gute Möglichkeit, sich von den extremistischen Provokateuren zu distanzieren. Ich wüsste mal gern, ob der Erzbischof diese ****(Selbstzensur) Presseverlautbarung abgesegnet hat - weiß er davon überhaupt?

Und wie kommt's zur Unterwanderung? Der Veranstalter "Euro pro Life" (Geld für Leben???) dank seiner sehr ungeschickten "völkischen"Argumentation à la "wir brauchen mehr Kinder, damit die Renten gesichert sind und unser Volk nicht ausstirbt!" liefert den Radikalen von "Links" und "Rechts" die Argumente (siehe hier, ungefähr ab der 3. Minute). Das ist nicht die Position der Kirche, wie neulich in Ralf seinem Blog sehr deutlich zu lesen war; ich zitiere:
Menschen, die meinen mit NS-Ideologie könne man Probleme des 21. Jahrhunderts lösen, argumentieren oft aus der Perspektive der Bevölkerungsentwicklung gegen Abtreibung. Sie teilen damit das Anliegen des christlichen Lebensschutzes, nicht aber das Argument für dieses Anliegen. Denn die Bevölkerungsentwicklung hat uns als christliche Lebensschützer nicht zu interessieren.

Sehr fragwürdig finde ich deshalb die Argumentation von „EuroProLife“, die auf einem Flugblatt darauf hinwiesen, dass „Europa mit einer Geburtenrate von nur 1,5 weit unter dem für den Selbsterhalt eines Volkes nötigen Mindestwert von 2,1“ liege. Mit Verlaub: Das interessiert mich nicht! Mein Grund, mich für Lebensschutz einzusetzen, ist ein anderer: Der Mensch ist als Geschöpf Gottes von der Zeugung bis zum natürlichen Tod ein Ausdruck der göttlichen Liebe, mit welcher der Schöpfer seinem Werk die Krone aufsetzt. Es geht mir nicht um den Fortbestand europäischer Völker. Mir ist das koreanische Kind ebenso wichtig wie ein Kind aus Cottbus. Hier besteht Klärungsbedarf. Wir müssen uns abgrenzen von denen, die aus ganz anderen Gründen dasselbe Thema ansprechen, sonst aber mit uns nicht, aber auch gar nichts zu tun haben!
Oh, ich seh' grad', dass Ralf auch zitiert hat, nämlich Josef, der dies in einem Kommentar auf Phils Blog schrieb. Hierzu jedenfalls meine volle Zustimmung! Nochmal klar und deutlich:

Der Mensch ist als Geschöpf Gottes von der Zeugung bis zum natürlichen Tod ein Ausdruck der göttlichen Liebe. Jedes Kind ist wertvoll und ein Geschenk Gottes.

Der Auftrag an die Kirche lautet doch (Zitat Paulus, 1. Kor 3,23 - 4,1): Ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes. So soll man uns betrachten: als Christi Diener und Verwalter göttlicher Geheimnisse.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung sehe ich mit Füßen getreten, wenn ich so etwas lese: "Bundesbank entzieht Sarrazin wichtige Kompetenzen". Ich zweifle an der Rechtmäßigkeit dieser Maßnahme. Wäre ich an seiner Stelle, hätte ich längst einen Gesprächstermin bei einem Anwalt.

Samstag, 10. Oktober 2009

Friedensnobelpreis - für welchen Frieden?

Elsas "Aufforderung an Mr. President" kann ich mich ganz und gar anschließen. Im übrigen bin ich eher sprachlos - nicht vor Staunen, sondern vor Entsetzen.

Noch ein Nachtrag: Hier in Bayern gibt es - Gott sei Dank! - Politiker, die anders denken. Hier ein Bericht der "Augsburger Allgemeine".

Montag, 5. Oktober 2009

Wordle

Gesehen - und gleich von Thomas abgekupfert. Natürlich habe ich meinem Spieltrieb folgen müssen - und so sieht das Ergebnis (von vor 2 Wochen und von heute) aus:
Wordle: Blog_190909Wordle: Bog_10-04-09

Dienstag, 1. September 2009

Auszug aus dem Angelus-Gebet des Heiligen Vaters

„Wenn die Ehepaare sich ausgiebig der Erziehung der Kinder widmen, sie führen und lenken, damit sie den Plan der göttlichen Liebe erkennen“, so Papst Benedikt XVI. weiter, „bereiten sie diesen fruchtbaren spirituellen Acker, aus dem die Berufungen zum Priestertum und dem geweihten Leben hervorgehen und reifen. So offenbart sich, wie sehr Ehe und Jungfräulichkeit zutiefst miteinander verbunden sind und einander gegenseitig erleuchten, angefangen bei der gemeinsamen Verwurzelung in der personalen Liebe Christi.“
(Quelle)

Wenn das mal so einfach wäre. Nicht jedes Kind lässt sich "führen und lenken". Irgendwann "führen und lenken"andere mit, erst Erzieher (früher "Kindergartentante" genannt), dann Lehrer, immer die Altersgenossen. Beispiel: In der Kirche liegt ein Programmheftchen für ein Jugendwochenende des Dekanates/Bistums aus. "Cooles Programm. Klingt interessant. Aber die Typen da drauf, die kenne ich. Das sind voll die Looser." Das war's. Der Teenager ist natürlich nicht higefahren. Er will ja "dazugehören", und zwar nicht zu den "Loosern", sondern zu den "coolen Typen".
Anderes Beispiel: Firmkurs-Anmeldung. 13-jährige aus katholischer Familie: "In meiner Klasse glaubt auch keiner an Gott. Warum sollte ich? In die Kirche gehe ich auch nur, weil meine Eltern mich dazu zwingen!" Der Pfarrer hat die Anmeldung trotzdem entgegen genommen. Mit so einer Einstellung sollte sie besser nicht gefirmt werden. Da sie noch vor dem Firmtermin vierzehn wird, hat sie bereits angekündigt, dies auch durchzusetzen. So weh es den Eltern auch tun mag: Zum Empfang der Sakramente gehört die entsprechende Disposition.

Mittwoch, 19. August 2009

Umzug

Da bei meinem (bisherigen) Blog die Kommentarfunktion nicht funktioniert, zieht jetzt alles um - hierher:
http://das-mariechen.blogspot.com/

Samstag, 15. August 2009

Warum sind Sie gegen Abtreibung?

Das wurde ich neulich gefragt. Und ich fand keine Antwort - denn es waren derart viele Antwortmöglichkeiten, die mir durch den Kopf schossen, dass ich mich kaum entscheiden konnte. Dann habe ich - ziemlich platt und wenig überzeugend - was von "Recht auf Leben" dahergeschwatzt. Au weia. Warum fällt es mir nur so schwer, Farbe zu bekennen?

Dass für mich als Katholik das Gebot "Du sollst nicht töten" gilt, wäre schon ein besseres Zeugnis gewesen. Aber das ist auch nur ein Aspekt. Mein "warum" liegt in meiner eigenen Vergangenheit.

Ich hatte eine Freundin aus den Augen verloren, die nach der 10. Klasse die Schule verlassen hatte; ich nenne sie mal Mia. Als ich bei ihrer Familie anrief, hieß es nur "Die ist nicht da." Dabei habe ich mir nichts weiter gedacht. Eine Weile später fragte ich eine Bekannte, die im selben Stadtteil wohnte, nach Mia. Antwort: "Die wohnt nicht mehr hier." Ein neuerlicher Anruf bei den Eltern. "Mia ist in der Klinik", hieß es da. In welcher? Kann ich sie besuchen? Nein, Besuche nicht erlaubt, weitere Fragen offensichtlich unerwünscht. Kann ich wohl nichts machen, dachte ich mir und habe nicht weiter darüber nachgedacht.

Zufällig traf ich Monate später eine gemeinsame Bekannte, und wir kamen ins Plaudern (oder sollte ich besser sagen: Tratschen?); das Gespräch kam irgendwann auf Mia. Sie sei völlig durchgedreht, habe versucht, jemanden umzubringen und sei jetzt in der "geschlossenen", so erfuhr ich.
Das passte überhaupt nicht zu dem, wie ich Mia in Erinnerung hatte. Das konnte nicht sein. Mit diesen "Hintergrundinformationen" wollte ich mich auch nicht an die Eltern wenden "Sagen Sie mal, hat Ihre Tochter wirklich versucht, jemanden zu töten?" Unmöglich.

Irgendwann sagte eine gemeinsame Bekannte mir, Mia sei tot - Selbstmord durch Drogen. Warum? Was sie (in Andeutungen) erzählte, hat mir sehr zu schaffen gemacht. Warum habe ich mich nicht stärker bemüht, den Kontakt mit Mia zu halten? Hätte ich ihr helfen können? Hatte ich als Freundin nicht völlig versagt? War ich nicht mit schuldig an ihrem Tod?

Ohne nun genau zu wissen, was wirklich geschehen ist (ich weiß es bis heute nicht), habe ich mir damals einiges von der Seele geschrieben:

Brand in der A.-Straße
Gestern mußte die Feuerwehr in die A.-Straße ausrücken; Nachbarn hatten bemerkt, daß Qualm aus einem der Fenster drang. Nach nur einer Stunde hatte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Zwei Frauen, 42 und 17 Jahre alt, beide Bewohnerinnen des Hauses, konnten verletzt geborgen werden. Die Brandursache war vermutlich ein Selbstmordversuch der 17-jährigen.

Mörderin
(Tagebuchnotizen der G.; psychiatrische Landesklinik, geschlossene Abteilung)

Ich hatte ein Kind. Es ist tot. Ich habe es töten lassen. Ich habe es umgebracht. Warum? Weil sein Vater es so wollte, der Feigling. Schwanger? Er will kein Kind, und mich auch nicht mehr, zum schlucken zu blöde, dumme Kuh. Tot. Weil meine El­tern es wollten, diese Spießer. Mensch Mädchen, deine Zukunft, die Schule, dein Studium, du bist doch selber noch fast ein Kind, das Gerede, die Leute, Dein guter Ruf! Und was wollte ich? Weiß nicht. Sie haben mich überrollt. Druck gemacht. An die Wand gequatscht. Zugesülzt, die reinste Gehirnwäsche. Was wollte ich? Wollte ich was? Totales Durcheinander, nichts mehr auf die Reihe gekriegt, war froh, dass die anderen entschieden haben: Abtreibung.

Ich kann und will nicht mehr. Ich habe mein Kind getötet. Umbringen lassen. Zukunft, Ausbil­dung, selbst noch Kind sein? Vergiss es. Ich habe die Nase voll, alles Heuchelei. Ich mach mir nichts mehr vor. Ich habe erst kapiert, was abgegangen ist, als mein Kind schon tot war: Ich sollte es nicht sehen, sie wollten es mir nicht zeigen. In einer Stahlschüssel, zerfetzt, zerrissen, ein blutiger Klumpen, aber ein­deutig ein kleiner Mensch. Ermordet. Mein Baby. Kein Baby mehr. Tot. Und ich bin schuld. Ich habe es zugelassen. Warum lebe ich noch? Warum leben die noch?


Freitag, 7. August 2009

Ferienzeit - Urlaubszeit

Für rund zwei Wochen bin ich jetzt weg vom Fenster bzw. Rechner und verabschiede mich nun vorübergehend - zu Urlaubszwecken. Allen meinen Lesern wünsche ich einen gesegneten Festtag (Mariae Himmelfahrt am 15.08.)!

Donnerstag, 16. Juli 2009

Pause ...

Aus beruflichen Gründen lege ich mal ein paar Tage Pause ein - aber danach geht es hier wieder weiter. Versprochen!

Samstag, 16. Mai 2009

Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst

Askese und Völlerei.
Selbstliebe? Todsünde?

Und wer ist der Nächste?

Eben bei Thomas von Kempen gefunden "De Imitatione Christi":
Wer hat den schwersten Kampf zu bestehen? Der, der daran arbeitet, sich selbst zu überwinden!
Irgendwie - verliere ich dauernd. Ich mag mich selber momentan gar nicht.
Aber da war einer, der sagte: "Deine Sünden sind dir vergeben" (Mk 2,5) oder: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)
Warum fällt es mir nur so schwer, darauf zu vertrauen?

Freitag, 15. Mai 2009

Enttäuschung

Der Begeisterung über das Event folgt der Alltag. Nichts klappt, wie es soll. Die eigene Leistung bleibt hinter meinen Ansprüchen an mich zurück, die gesteckten Ziele erreiche ich nicht. Und was geschieht? Ich laufe davon, flüchte. Statt die Arbeit in Angriff zu nehmen, den Stier bei den Hörnern zu packen, verkrieche ich mich. Perfektionismus und Schlamperei - zwischen diesen beiden Monstern zerreißt es mich. Lieber gar nichts tun als Fehler zu machen?

Wieder ein Tag vorbei - und nichts von dem getan, was hätte getan werden müssen. Und ich stehe mit leeren Händen da, zweifle an mir selbst. Himmel, hilf! Der Dämon lauert um die Ecke: Flucht in die Sucht. Aber es hat keinen Sinn: Vom Weglaufen wird nichts besser. Und was sagt die Schrift?
(Spr. 16)
3. Befiehl dem HERRN deine Werke, so kommen deine Pläne zustande.
4. Alles hat der HERR zu seinem bestimmten Zweck gemacht, sogar den Gottlosen für den bösen Tag.
5. Alle stolzen Herzen sind dem HERRN ein Greuel; die Hand darauf! sie bleiben nicht ungestraft.
6. Durch Gnade und Wahrheit wird Schuld gesühnt, und durch die Furcht des HERRN weicht man vom Bösen.
7. Wenn jemandes Wege dem HERRN wohlgefallen, so macht er auch seine Feinde mit ihm zufrieden.
Demut, die Arbeit in die Hände des Herrn legen. Perfektionismus ist Hochmut - ich bin ein Mensch, ich mache Fehler.

Mittwoch, 29. April 2009

April 1981

Nachtwache, Intensivzimmer. Alles ruhig, nur ein Patient. Die Infusion tropft gleichmä­ßig, alle zwei Sekunden ein Tropfen, der Heizkörper gluckert leise. Ge­dämpftes Licht. Die Zeit tropft zäh, wie Honig. Alle 15 Minuten Puls ablesen, Blutdruck messen, Fie­berthermometer ablesen, Ausscheidungen kontrollieren. Roter Stift, blauer Stift, Bleistift, alles in die Kurve eintragen, schön sauber mit dem Lineal, sonst Stress mit der Stations­schwester. Alles Routine. Und wie­der Langeweile. Lesen verboten, man ist ja schließlich für den Patienten da, frisch operiert, nicht dass es Komplikationen gibt. Auf dem Gang geht eine Türe, irgend jemand auf Station geht zur Toilette. Ansonsten: alles ruhig. Langeweile. Die Zeit kriecht. Zäh. Sein Herz­schlag ist normal, gleichmäßig zieht der Lichtpunkt auf dem EKG-Oszilloskop seine Bahn, rauf und runter, Systole, Diastole. Müde. Schon die dritte Nachtwache. Und erst eins. Noch fünf Stunden bis zum Schicht­wechsel. Die Zeit steht fast still. Es ist warm im Intensiv­zimmer. So warm, dass man ohne Bettdecke einschlafen könnte. Wieder messen, Puls, Blutdruck, Temperatur, Aus­scheidungen, Messglas entleeren, Hände wa­schen, Kur­veneintrag. Da bleibt mein Blick auf einer Zahl hängen. Sein Geburtsdatum: Das ist ja meins! Doch nicht ganz, genau zehn Jahre älter als ich ist er, 29. Neugierig blättere ich weiter. Motorradunfall, Milzriss, Niere ver­letzt. Milz entfernt, Niere teilrestituiert. Ich lege die Kurve wieder weg und starre an die Decke. Nichts zu tun.

Die Gedanken wandern. Wo werde ich wohl in zehn Jahren sein, mit 29? Auch hier? – ein weißes OP-Pflaster über den ganzen Bauch, Drainageschläu­che mit­tendrin, in die das Wundsekret tröpfelt. Irrsinnige Schmerzen, wenn die Nar­kose nach­lässt. Lachen tut weh, Reden auch. An Aufstehn gar nicht zu denken. Erst am zweiten Tag, eine Schwester links, eine Schwester rechts, die meisten lassen sich gleich wieder wimmernd auf die Bettkante fallen. Hoffentlich nicht. Ich schrecke hoch. Ein Ge­räusch? – Nein, ein Ge­räusch zu wenig: es tropft nicht mehr. Neue Infusionsflasche an­hängen, Eintrag in die Kurve, Blick auf die Uhr, Puls, Blutdruck, Temperatur, Ausscheidun­gen. Kleine Flöckchen von geron­nenem Blut schwimmen im Urin. Messglas ablesen, Ven­til öffnen, die Flöckchen tropfen mit in den Beutel. Kurvenblätter, roter Stift, blauer Stift, Bleistift. Langeweile. Ich läute. Margret kommt, sie hat heute Nacht Dienst auf Station. „Hallo!“ flüstere ich. „Könntest du mich mal kurz ablösen, ich brauch dringend einen Kaffee und müsste auch mal wohin.“ „Na klar. Hinten ist alles ruhig.“ In der Stationsküche steht der Kaffeepott, ich gieße mir einen Becher ein. Zwanzig vor zwei. In fünf Minuten wieder ablesen. Doch, es tut gut, sich nach dem langen Sitzen wieder mal ein paar Schritte zu bewegen. Und hoffentlich hilft der Kaffee gegen die Müdigkeit. Der Becher ist leer, ich gehe wieder den Flur hinunter zum Intensivzimmer, Margret ablösen. Die hat es gut, wenn nicht gerade einer läutet, kann sie lesen oder fernsehen, allerdings läuft um die Zeit sowieso nichts vernünftiges mehr. Margret geht wieder auf Station und ins Schwestern­zimmer. Ich setzte mich wieder auf meinen Stuhl, lese ab, wenn es Zeit ist, trage ein und gähne. Plötzlich stöhnt er. Ich schaue hin: Seine Augen sind geschlossen. Wahrscheinlich lässt die Wir­kung der Schmerz­mittel nach. Dann ist er wieder ruhig, die Infusion tropft vor sich hin, die Heizung gurgelt leise. 15 Minuten später: Puls, Blutdruck, Temperatur ... das Thermo­meter ist weggerutscht, ich suche in den La­ken. Da schlägt er die Augen auf, starrt mich an, stöhnt. Ruckartig greift er nach mei­ner tas­tenden Hand: „Was tust du da?“ „Sie sind im Krankenhaus. Sie hatten einen Unfall.“ sage ich, aber er hört mich nicht, schaut durch mich hindurch. „Ich muss weg.“ sagt er und versucht sich aufzurichten. Mit einem Schmerzenslaut fällt er zu­rück und reißt sich dabei die Infusionsnadel heraus. Die Elektrolytlösung tropft auf den Boden, Blut auf die Bettdecke. Er tastet in Richtung seines Bauches, erwischt eines der EKG-Ka­bel und zieht daran. „Was ist los mit mir?“ schreit er an mir vorbei. Panisch drücke ich den Klingelknopf, ,Hilfe, Margret, komm schnell´ denke ich und versuche, seine Hand festzuhal­ten. Das EKG pfeift durchdringend, das Ka­bel ist ab. Ich schalte mit zitternder Hand das Gerät aus. ,Nur nicht die Drainageschläu­che, sonst muss er noch mal unters Skalpell.´ denke ich. Er versucht wieder, aufzu­stehen und schreit dabei vor Schmerzen. Ich versuche, ihn zu beruhigen, aber er nimmt mich immer noch nicht wahr.

Gott sei Dank, Margret ist da. Sie erfasst die Situation sofort, greift nach dem Telefon und ruft den diensthabenden Arzt. Dann helfe ich ihr, den wimmernden und stöhnenden Mann wieder richtig hinzulegen. Sie hält seine Hände und redet beruhigend mit ihm, wie mit einem kleinen Kind. Schweißperlen stehen auf seiner Stirn. Meine Panik legt sich, ich fange wieder an zu funktionieren: ein Pflaster für die blutende Hand; Infusion zudrehen, Nadel in den Infekti­onsmüll, mit Zellstoff den Fußboden aufwischen, Fieber­thermome­ter und Ausscheidungen able­sen und eintragen, neue Bettdecke holen, die alte ab­ziehen und in die Desinfektion. Mar­gret spricht weiter auf mit ihm. Sie tupft seine Stirne tro­cken. Als er wieder zur Ruhe ge­kommen ist, lässt sie sich ein neues Infusionsbesteck geben und legt einen neuen Zugang, diesmal an der anderen Hand. Ich schließe die Infusion und das EKG wieder an, schalte es wieder ein.

Endlich kommt der Arzt. Er ist ungekämmt, wirkt übernächtigt. Margret schildert kurz, was vor­gefallen ist. Der Arzt füllt einen Zettel aus, sagt: „Giftschrank oben rechts“ und drückt ihn mir in die Hand. Mar­gret gibt mir den Schlüssel, ich gehe ins Stationszimmer, mühsam entziffere ich ...morphin und finde die entsprechende Ampulle. Morphin – Opiumderivat – Morpheus – Gott des Schlafs – schießen mir die Gedanken durch den Kopf. Ich hole ein Injektions­besteck, ziehe die Ampulle auf. „Worauf warten Sie noch?“ fährt mich der Arzt an. „Darf nicht, bin nicht exami­niert“ stottere ich. Ruhig nimmt Margret mir die Spritze aus der Hand, „bittesehr“, reicht sie dem Arzt, pumpt die Manschette vom Blutdruck­messgerät auf. Der Arzt wirft Margret und mir einen ärgerlichen Blick zu, sagt aber nichts und setzt die Spritze. Mar­gret macht den Eintrag in die Kurve, der Arzt geht und knurrt Margret noch an: „Sta­tions­zimmer“. „War o. k.. Hast dich rich­tig verhalten“ sagt Mar­gret noch und zieht die Tür hinter sich zu. Nun bin ich mit dem Patienten wieder allein im Intensivzimmer. Er atmet schwer, hat die Augen nochgeschlossen. Und wieder: Puls, Blutdruck, Fieber messen, Ausschei­dun­gen able­sen, Messbecher entleeren. Der Beutel ist voll, Ventil schlie­ßen, Beutel und Inhalt in Infektionsmüll bzw. Toilette entsorgen, neuen Beutel anschließen und Hände wa­schen; Messwerte eintragen. Er rührt sich nicht. Draußen höre ich die ersten Vögel, es ist noch dunkel. Der Lichtpunkt am EKG zieht nach wie vor seine Bahn, Systole, Dia­stole, Systole... . Ich döse mit halb geschlossenen Augen vor mich hin.

Da schaut er mich an. Ohne irgend ein Anzeichen von Unruhe hat er seine Augen geöff­net. Die Pupillen sind riesengroß, aufgrund der Dunkelheit und der Me­dikamente. „Schwester, können Sie beten?“ „Ja.“ antworte ich. „Dann tun Sie es. Bitte.“ „Vater unser“ fange ich an. Meine Stimme kommt mir fremd vor. Die vertrauten Worte bleiben im Hals hängen. Mühsam spreche ich weiter. Warum fällt es mir so schwer? Er schaut mich ganz ruhig an. ".. dein Reich komme ..." gleich habe ich es geschafft „...sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist – ". Das EKG fängt an zu pfei­fen. Was ist los? Kein Signal, der Pulszähler auf Null. Ich taste sei­nen Puls am Hand­ge­lenk. Nichts. Ich drücke die Klingel, lasse das Kopfende herunter. Zum Glück ein Intensivbett – sonst müsste ich ihn noch von der Matratze holen für die HLW. Herz­massage, wie war das noch? Vier Fingerbreit über dem unteren Brustbeinende? Ich weiß nichts. Ich knie auf der Bettkante und fange an. Zuerst beatmen. Wie oft? Zwei mal beatmen. Dann die Herzmas­sage, 15 Mal – oder doch 30? Puls? Nichts – das rote Lichtchen bleibt aus. Beatmen. Herzmassage. Margret kommt herein „Gut, mach weiter so“ und greift zum Telefon. „Intensivzimmer Urologie; Herzstillstand“ sagt sie, mehr nicht. Herzmassage, Beatmen, Herzmassage. Margret löst mich ab. „Not­fallkoffer“ sagt sie zwischen zwei Herzmas­sagen. Ich hole ihn aus dem Schrank und öffne ihn auf dem leeren Nachbarbett. Dieses Mal ist der Arzt wesentlich schneller da. Er klemmt die Elektroden vom EKG ab und tastet den Puls. Defibrillator, Elektroschock. Nichts. Beatmen. Noch mal Elektroschock. Wieder nichts. „Der packt es nicht mehr. Aus. Vorbei. Exitus“ sagt der Arzt und schaut auf die Uhr; Todeszeitpunkt 4.35 Uhr trägt er in die Kurve ein. Genau zehn Jahre älter als ich. Er wird nicht mehr älter. Er sieht friedlich aus. Margret schließt seine Augen und zieht das Laken hoch. „Die Frühschicht soll die Angehö­rigen benachrichtigen und ihn in die Patho­logie schaffen.“ sagt der Arzt „Ich mache den Totenschein fertig.“ und geht.

Exitus – das müsste doch eigentlich hinausgegangen heißen – denke ich. Aus – Hinaus; Vorbei Hinaus gegan­gen. Wohin? Denn dein ist das Reich. Und die Kraft. Und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. Ob er gewusst hat, dass es zu Ende geht? Er hat es vielleicht gespürt. „Dein erster Toter?“ fragt Mar­gret leise. Ich nicke. Sprechen kann ich nicht. „Willst du noch bei ihm bleiben?“ Wieder nicke ich und eine Träne tropft auf den Kittel. „Ich bin dann im Schwestern­zimmer“ sagt sie und lässt die Türe einen Spalt breit offen.

Vor einem anderen Krankenhaus

Mittwoch, 15. April 2009

Getrübte Osterfreude

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Und das Mädchen sagt, es glaubt nicht an Gott. Sie glaubt nicht, dass "da oben" einer sitzt. Und über den Sinn des Lebens hat sie noch nicht nachgedacht. Und woher kommt die Welt, wenn es keinen Schöpfer gibt? Ein schlichtes "Weiß ich doch nicht" scheint für's Erste zu genügen.

Sie will offensichtlich nicht darüber diskutieren - nicht mit mir. Was kann ich für sie tun? Ihr zeigen, dass ich sie liebe. Und für sie beten. Mehr geht nicht. Und manchmal geht nicht einmal das.

FÜSSCHEN-KAMPAGNE: MARSCH FÜR DAS LEBEN FÜSSCHEN 10 WOCHEN NACH DER EMPFÄNGNIS