Sonntag, 6. September 2020

Mund oder Hand?

 Mal wieder facebook. Die "harmlose" Frage (ausgebesserte Rechtschreibung): 

"Mal zu einer Diskussion: Mundkommunion oder Handkommunion ? Ich persönlich bin für Mundkommunion "

führte zu mehr als einhundert Beiträgen. Zunächst mal: Das ist nichts, was durch Mehrheitsbeschluss entschieden werden kann. Hier geht‘s nicht drum, ob Schröder oder Merkel, sondern um Christus, unseren Erlöser, der sich mir, ausgerechnet mir, selber schenkt. Das muss ich also SELBER  mit meinem HERRN ausmachen, ob ich dieses Geschenk annehmen kann. Das wird nicht mehrheitlich entschieden, und eine Minderheit muss hier auch keinen „Mehrheitsbeschluss“ hinnehmen.

Dann kamen zwei (rhetorische?) Fragen in der Diskussion auf:

1. Frage: "... ist es wichtiger, Jesus zu empfangen oder die Art, wie man Ihn empfängt?"
2. Frage: "Darf man Jesus zurückweisen, weil Er auf die Hand gelegt wird und man selbst lieber die Zunge hätte?"

Beiden Fragen vermischen zweierlei: das „ob“ und das „wie“. In der aktuellen Situation (Corona, bischöfliches Dekret) ist die Entscheidung nicht "auf die Zunge oder auf die Hand", sondern "empfange ich den HERRN oder empfange ich ihn nicht?" Damit hat sich die zweite Fragestellung schon mehr oder weniger von selbst erledigt, denn das „wie“ hat bereits der Bischof entschieden: Zunge ist nicht, fertig (status quo im Bistum Würzburg). Da der Priester dem Bischof seinen Gehorsam versprochen hat, sollte man ihn gerade als gläubiger Katholik nicht zu etwas anderem drängen. Schließlich wird von ihm ja auch erwartet, dass er die Heilige Messe „rite et recte“ zelebriert und nicht die liturgische Wildsau gibt.

Im Internet kursiert (schonviel länger als Corona) so ein Bild mit einem Hippie-Struppi:

Frei übersetzt: Handkommunion gehört sich nicht. Damit macht man aber eine Frage von derartiger Tragweite - wie begegne ich dem HERRN - zu einer Frage des Benehmens, also simpler Konvention. Das sollte aber kein entscheidendes Kriterium sein. Für mich war die Entscheidung für die Mundkommunion zum einen aus Ehrfurcht vor dem HERRN, zum anderen auch aus einem Gefühl kindlicher Demut heraus - mein Schöpfer will zu mir!

Die Frage „Mundkommunion ja oder nein“ zu Corona-Zeiten lässt    je nach Kontext auch eine gewisse Hybris, ein Pharisäertum vermuten "schaut her, wie fromm ich bin, ich möchte Mundkommunion!" - vor allem dann, wenn es auch noch mit einem gewissen missionarischen bzw. fast schon diktatorischen Impetus vorgetragen wird. Denn das „wie“ ist ja bereits entschieden, die Frage kann jetzt nur noch das „ob“ sein.

Wenn meine Freundin mit einem liebevoll dekorierten Weihnachtspäckchen vorbei käme, wenn ich gerade bis zu den Ellenbogen im Schlamm stecke und die Hände voller Unkraut habe, dann fasse ich das Päckchen erstmal nicht an, sondern wasche mir die Dreckspfoten, bevor ich alles ruiniere. „Wer unwürdig isst und trinkt, isst und trinkt sich das Gericht.“  heißt es. Wenn also erst einmal ein seelischer Hausputz, eine Beichte geboten ist, dann sollte ich besser nicht kommunizieren.

Es gibt also auch gute Gründe, den HERRN gar nicht zu empfangen:
a) ich müsste erst mal beichten
b) ich bin nicht nüchtern
c) Zöliakie (weswegen Schwiegermama nur alle 14 Tage kommunizieren konnte, da gab es eine Werktagsmesse, wo ihr die Kelchkommunion gereicht wurde)
d) der Kommunionhelfer/Diakon/Zelebrant nimmt die Abdeckung vom Hostienkelch, sobald er aus dem Tabernakel kommt oder auf dem Altar steht. Ich bin Risikogruppe und weiß, dass es sowas wie Tröpfcheninfektion gibt.

Klarer Fall:Hybris oder Bockig-sein „ich will aber“ (was ein wenig in der obigen Fragestellung anklingt), ist sicher kein belastbarer Grund. Anders sieht es wohl bei den Besuchern der Messe im tridentinischen Ritus aus, die keine Handkommunion vorsieht. Diese Menschen bleibt nur die Möglichkeit der geistigen Kommunion oder „Augenkommunion“, wie wir es früher genannt haben.
Und da stellt sich mir dann wirklich die Frage: Ist es denn wirklich eine Zurückweisung des HERRN, wenn man ihn nur geistigerweise empfangen darf? Für mich persönlich stellt sich diese Frage nicht, ich habe noch nie an einer tridentinischen Messe teilgenommen. Allerdings würde ich diese Fragestellung nicht unter Hybris oder bockig-Sein einordnen. Dies Form der heiligen Messe ist ja definitiv erlaubt - und dazu gehört auch der Kommunionempfang - normalerweise.

Meine persönliche Entscheidung ist gefallen. Ich bin mir aber immer noch nicht sicher, ob es die richtige ist, denn von beiden Seiten gibt es viel zu viele schlechte Argumente. facebook halt 🥺.



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