Sonntag, 21. Februar 2010

Ein Totaler Fehlgriff

Bei "conservare" bin ich auf eine Umfrage gestoßen: "Brauchen wir eine christliche Kulturrevolution?"
Schon beim Lesen dieser Zeile hat's mich geschüttelt. In mir sträubt sich alles gegen den Begriff "Kulturrevolution" in Verbindung mit "christlich". Das ist ein Gegensatzpaar, das ich mir kaum unsinniger vorstellen kann, vom Kaliber "dreieckiger Kreis" - also geht gar nicht, gibt's nicht.
Revolution impliziert sinnloses Morden und Metzeln, man betrachte nur die französische oder die russische. "Kulturrevolution": Der Begriff ist bei mir eindeutig mit "chinesisch" besetzt. Brutalste Religionsverfolgung, Zerstörung einer jahrtausende alten Kultur, Mord, Folter, Vergewaltigung, Zerstörung sämtlicher Strukturen und daraus folgend Hungersnöte mit noch mehr Toten.
Das passt nicht mit "christlich" zusammen. Nicht "Umsturz" ist christlich, sondern Bekennertum und notfalls auch Martyrium.
Urheber dieses Begriffsungetüms scheint - so schließe ich aus den Ergebnissen der Suchmaschine meiner Wahl - Christa Meves zu sein. Und was will sie damit erreichen? Das genaue Gegenteil dessen, was "Revolution" und erst recht "Kulturrevolution" bewirkt. Folge der russischen Revolution war beispielsweise die Zerschlagung von Familien; massenhafte Ehescheidungen, Abtreibungen; Frauen wurden genötigt, am "Produktionsprozess" teilzunehmen. Die "Ein-Kind-Politik" Chinas mit der Zerschlagung der traditionellen Großfamilie und ungezählten (Zwangs-)Abtreibungen ist ebenfalls eine Nebenwirkung der "Kulturrevolution". "Kulturrevolution" oder "Revolution" impliziert, dass der Mensch dem (politischen) System geopfert wird.

Und was will Frau Meves?
„Der Anmaßung der jetzigen Regierungsverantwortlichen, als „Staatsmacht nach den Kindern zu greifen“, müsse entschieden begegnet werden, sagte die Autorin und Kinder- und Psychotherapeutin Christa Meves [...] Weder die [...] geforderte „Lufthoheit über den Kinderbetten“ noch die [...] „Meinungshoheit über den Kinderbetten“ sei akzeptabel. Beides widerspreche den Grundsätzen von Freiheit, Liebe und Gerechtigkeit, sagte Meves.

Dem staatlichen Zugriff, der die Erziehung von Kindern sozialisieren wolle und deshalb den flächendeckenden Ausbau von Ganztagesbetreuungen für Kinder und Kleinstkinder fördere, müsse das Konzept einer familienorientierten Erziehung gegenübergestellt werden.

Christa Meves forderte [...] auf, dafür zu arbeiten, dass es zu einer „christlichen Kulturrevolution“ kommt. Menschen, die am unbedingten Ja zum ungeborenen Leben festhalten ebenso wie an den Lebensordnungen von Ehe und Familie seien nicht als konservativ beiseite zu rücken. Die erforderliche „christliche Kulturrevolution“ könne geschehen durch das Gebet an den lebendigen Gott, durch das Handeln in der Wahrheit, wie „Christus uns das aufgetragen hat“ und durch den Zusammenschluss derer, die christliche Werte in der Gesellschaft voranbringen möchten.
(Quelle)

Gute Gedanken, hehre Ziele, aber der Name: Ein totaler Fehlgriff. Kirchenfeinde, Kirchenferne, Atheisten oder Heiden vermuten gleich wieder brennende Scheiterhaufen! (Vorsicht, Ironie: Darf's ewas revolutionärer sein: Christliche Guillotinen oder Henkersstricke?).

Gefordert ist im Grunde ein Paradigmenwechsel: Der Mensch darf nicht dem System angepasst werden, und da wo's nicht passt, wird er halt abgemetzelt. Sondern die Politik hat dem Menschen zu dienen.
"Paradigmenwechsel" ist natürlich längst nicht so prägnant wie "Revolution" und auch viel zu unspezifisch - bei vielen löst es einfach ein "Häää??" aus.

Gesucht: Ein neuer Name!

Kommentare:

  1. Kulturrevolution? Grusel! Aber Paradigmenwechsel war mal populär (Fritjof Capra). Nun gibt es aber einen Begriff, der das, was Meves meint, präziser bezeichnet: Reaktion. Aber wer will schon reaktionär sein.

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  2. Begriffe fordern uns Christen generell heraus, weil die Sprache des Glaubens nicht mehr so direkt begrifflich ist, also buchstäblich nicht mehr so "begreifbar". Wer spricht im Mainstream (sic) noch von sühnen, büssen, Andacht halten?

    Mir scheint, es ist da leichter, es (vor-)zumachen als darüber zu reden. Dann versteht es nicht jeder sofort, aber es "beeindruckt" auch buchstäblich. Eine grosse, vorgelebte Katechese!

    Vielleicht brauchen wir dann trotzdem neue Begriffe, aber sie werden entstehen in der (pardon) Hermeneutik der Kontinuität?

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  3. Oh, vielen Dank fürs "in-Worte-fassen" meiner Gedanken.
    Mir ging es ähnlich als ich die Umfrage las, hatte zwar keine direkten Assoziationen, aber eben auch ein ungutes Gefühl.
    Dazu bemerkt: Bei Revolution denke ich auch immer an die sog. Wende '89, die politisch korrekt ja auch Revolution heißt, mit dem Zusatz "friedliche".
    Aber es stimmt, das R-Wort passt nicht. Eher vielleicht noch "geistig-moralische Wende". Nur ist das die Losung der frühen Kanzlerjahre Helmut Kohls. Und damit ist dieser Begriff auch wieder besetzt... :-(

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